Auroville – die Yogastadt in Indien

Meine Neugier auf Auroville wurde bereits während meiner Ausbildung zur Yogalehrerin geweckt. Es faszinierte mich, von Fabian die Geschichten darüber zu hören, wie sich diese Stadt selbst verwaltet und welch Gedankengut dahintersteckt. Sri Aurobindo und die Mutter – ihre Worte, ihre Ideen – hörte ich in der Ausbildung oft, ohne sie wirklich zu verstehen. Vielleicht bot Auroville die Möglichkeit, dies mehr zu begreifen. Es war bereichernd, zu erleben, wie die Menschen dort zusammenstehen und die Ideologie leben.

Indien als Land an und für sich hat mich nie gereizt, doch diese Stadt zog mich an. So beschloss ich, mich sofort anzumelden, sobald sich die Möglichkeit ergab. Wohlwissend, dass mich diese Reise fordern würde, ließ ich mich darauf ein – und meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

Angekommen

erkundete ich Auroville gerne gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten per Fahrrad – trotz der Hitze ein Erlebnis: Kaum Straßen, hauptsächlich rote Erde, Staub und Steine; dann wieder eine gepflasterte Straße, ein Tempel, Kühe, viele Bäume, kleine Wege, ein Besucherzentrum, hier und da Geschäfte, viel Natur, ein weiterer Tempel, Farmen …

Mit der Zeit stellte sich der Alltag ein. Die täglichen Yogaeinheiten waren fordernd und ganz anders als erwartet, die „Blutsauger“ hatten ihre große Freude an mir, und Ungeziefer machte sich in meinem 2×3‑m‑großen Zimmer breit. Ich wurde krank, bekam eine Halsentzündung und Fieber – sodass die tägliche Freude, mich nackt in meinem Zimmer unter den Ventilator zu stellen, um etwas Abkühlung zu bekommen, futsch war. Viele nette Gesten von allen rund um mich – jeder wollte mich versorgen – und trotzdem musste ich das alles allein durchstehen. Als Highlight erlaubte ich mir nach der Genesung einen Besuch im Strandbad – was für ein Genuss, fast wie der Himmel auf Erden!

Trotz all der lieben Menschen um mich hatte ich das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören. Diese hohe Spiritualität, diese Energie, die alle so präsent zu spüren schienen – war sie auch für mich wahrnehmbar? Wie sollte ich sie überhaupt bemerken? Während viele danach strebten, im Mantrimandir meditieren zu können und dort ihre Erfüllung fanden, zog es mich viel mehr in den Garten zum Banyan Tree. Einfach nur dort zu sein und diese Naturgewalt voller Schönheit und Vitalität – voller Kraft und Wachstum – wahrzunehmen, zu spüren, zu entdecken und zu genießen: Und plötzlich – was war das? War das die Energie, von der alle sprachen? Konnte ich tatsächlich etwas spüren? Ja, ich hatte unbeschreibliche Momente …

Viele wunderbare Erlebnisse, viele Herausforderungen und wundervolle Einblicke in eine völlig andere Kultur. Zeit ist relativ und ständig verfügbarer Strom wird überbewertet. Einfach und schlicht – wer braucht schon eine Toilette, Dusche oder gar ein Waschbecken im Zimmer? Wir leben im Luxus und schätzen oft nicht die scheinbar einfachen Dinge im Leben, die für uns selbstverständlich sind …

Namaste